Aktuelles

Unitarier für bundesweiten religionskundlichen Unterricht


P R E S S E M E L D U N G


Unitarier für bundesweiten religionskundlichen Unterricht
Deutschland braucht einen
nicht-konfessionellen
Religionsunterricht



Mit großer Sorge beobachten die Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens die
zunehmende Spaltung und Radikalisierung unserer Gesellschaft. Mehr als 900 Islamisten,
die von Deutschland aus in den Irak und nach Syrien gezogen sind, um sich dort dem
Islamischen Staat (IS) anzuschließen, zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz im
März diesen Jahres. Auch die steigende Zahl religiös motivierter Terroranschläge ist ein
Anlass, sich die Frage zu stellen, wie man der Radikalisierung Jugendlicher und junger
Erwachsener vorbeugen kann.
Nach unitarischer Auffassung ist es eine der wesentlichen Aufgaben von Religion,
Verbindungen zwischen Menschen, egal welchen Glaubens, zu bilden. Dies ist auch eine
wichtige Voraussetzung, um interreligiöses Verständnis zu erzielen. Jedoch ist es immer
noch dringend notwendig, die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn: „Der
konfessionelle Religionsunterricht ist kontraproduktiv“, so Horst Prem,
Landesgemeindeleiter der Unitarier in Bayern. „Er vertieft Spaltungen, statt Brücken zu
bauen.“ . Die Unitarier fordern in allen deutschen Bundesländern seit Langem die
Einführung eines verpflichtenden neutralen religionskundlichen Unterrichts im gesamten
Klassenverband. Beispiele dafür sind etwa das Hamburger Modell oder der
Integrationsunterricht in Berlin, der jüngst eingeführt wurde. Ein entsprechendes Modell
Unitarier
Religionsgemeinschaft freien Glaubens e. V. www.unitarier.de
hat u.a. der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) bereits Anfang
der 1990er Jahre mit dem Unterrichtsfach „LER – Lebenskunde, Ethik, Religionskunde“ in
Brandenburg erfolgreich umgesetzt, das einen Beitrag zur Werteerziehung leistete und auf
interreligiöses Verständnis zielte. Mit großem Erfolg, wie Prem erläutert: „Die Gewalt an
den Schulen mit LER war im Vergleich deutlich niedriger als anderswo“. Deswegen ist es
für die Unitarier auch unverständlich, warum LER mittlerweile auf die Ebene der
Konfessionsunterrichte zurückgestuft wurde. „Wir brauchen Integrations- nicht
Konfessionsunterricht“, so Horst Prem.
Deswegen sehen die Unitarier auch die Einführung eines flächendeckenden Islam
Unterrichts wie in Baden-Württemberg kritisch. Stattdessen treten sie für eine
konsequente Trennung von Staat und Kirche ein. Das Ziel muss ein staatlicher,
integrativer und religionsübergreifender Integrationsunterricht sein, der den Wertekanon
des Grundgesetzes  widerspiegelt und weitergibt, und nicht das Kirchenrecht.

Literaturhinweise:

 „Klingberger Reihe“ – Dokumentation von Seminaren in der Jugend- und Bildungsstätte, zu beziehen über den Angelika Lenz Verlag (insb. Heft Nr. 9 „Extremismusprävention“): www.lenz-verlag.de/p-Klingberger_Reihe-49.html

 Säkulares Forum Hamburg: www.  sf-hh.org

 DFW - Dachverband der freien Weltanschauungsgemeinschaften: www.dfw-dachverband.de

 Rolf Roew, Peter Kriesel: Einführung in die Fachdidaktik des Ethikunterrichts, utb Taschenbuch 2017