Berichte und Aktivitäten:

Der geschäftsführende Vorstand des ICUU (v.l.n.r.): Pauline Rooney, Galen Gisler, Lara Fuchs, Inga Brandes, Rev. Brian Kiely, Rev. Fulgence Ndagijimana and Dávid Gyerő. Am Mikrofon das ehemalige Vorstandsmitglied Rev. Celia Midgley.
Einige der Gründungsmitglieder des ICUU auf der Ratsversammlung 2005 in Montserrat (Wolfgang Jantz, hintere Reihe, 3. von rechts).
Inga Brandes, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des ICUU.
Wolfgang Jantz ist Gründungsmitglied des ICUU und wurde für seine Arbeit mit dem ICUU Founders Vision Award ausgezeichnet.

20 Jahre ICUU - Unitarier weltweit (2015)

Der unitarische Gedanke einer ganzheitlichen Weltsicht prägt seit jeher das Leben vieler Menschen in vielen Kulturen, in vielen Ländern und auf allen Kontinenten. Um den Austausch und die Vernetzung der Gemeinden der Unitarier und der unitarischen Universalisten untereinander zu stärken, gründete sich im März 1995 in Essex, Massachusetts (USA), der „International Council of Unitarians and Universalists“ (Internationaler Rat der Unitarier und Universalisten). Im ICUU ist pro Land eine unitarische Mitgliedsgruppe vertreten.

Die Unitarier - Religionsgemeinschaft freien Glaubens sind als Gründungsmitglied von Anfang an dabei. Mit unermüdlichem Einsatz und beachtlicher Kontaktfreude leistete Wolfgang Jantz einen wesentlichen Beitrag zur Bildung der weltweiten Organisationsstrukturen. Für sein Engagement wurde Jantz 1995 mit dem ICUU Founders Vision Award ausgezeichnet. Sein zentraler Ansatz ist die Integration und das Brückenbauen zwischen unterschiedlichen Strömungen. So wurde auch der Name „Internationaler Rat der Unitarier und Universalisten“ gewählt, um möglichst vielen Gruppen des unitarischen Spektrums die Teilnahme zu ermöglichen. Inzwischen zählen Gemeinden aus 20 Ländern zu den Mitgliedern des ICUU.

Alle zwei Jahre treffen sich Delegierte zum „Council“ (Hauptversammlung), entwickeln Programmaktivitäten und -prioritäten für die folgende Zeit und wählen den geschäftsführenden Vorstand. Innerhalb des letzten Jahres hat der ICUU einen neuen Ansatz gewählt, um jungen unitarischen Gruppierungen dabei zu helfen, eigene Ressourcen für die Weiterentwicklung zu erschließen. Der Schwerpunkt lag auf Hilfsangeboten für neu gegründete unitarisch-christliche Kirchen in Afrika. Außerdem wurde eine "Leadership School" in Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) durchgeführt, an der auch fünf Mitglieder der Unitarier teilgenommen haben.

Aktuell arbeitet der ICUU an einem Pilotprojekt zur Verbesserung der regionalen Vernetzung und des Austauschs innerhalb des ICUU sowie an einem virtuellen Mentoring-Projekt für Einzelpersonen und kleine Gruppen, um freie Religion und Unitarismus an neuen Orten zu fördern. Außerdem wird ein Programm erstellt, das die Nutzung der sozialen Medien erleichtern soll. Somit werden die Nachrichten aus den unitarischen Gruppen weltweit sowie auch die unitarischen Grundgedanken zugänglicher.

„Der ICUU ist dabei, sich als internationale Organsisation zu professionalisieren. Das ist notwendig, weil die Zahl der Mitgliedsgruppen in den letzten Jahren gewachsen ist“, so Inga Brandes, seit 2014 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des ICUU. „Die Zusammenarbeit von Unitariern und Universalisten weltweit gibt auch uns wertvolle Impulse und trägt überall wesentlich zum Fortbestehen und Wachstum von unitarischen Gruppen bei.“

 

 


Intensivschulung am Ursprungsort des Unitarismus (2014)

Unitarische Schule und unitarische Kirche in Kolozsvár
Vorlesung der Leadership School
Social Time in the Terrace
Gottesdienst in Torockó
Burgruine Coltesti

Vom 3. bis 8. September 2014 trafen sich 36 Unitarier aus über 10 Ländern zur ICUU Leadership School in Kolozsvár in Transsilvanien. Unsere Gemeinschaft war mit fünf Teilnehmern vertreten.

Die Schulung wurde in den altehrwürdigen Räumen der unitarischen Schule durchgeführt, wo die Teilnehmer in den sonst für den Internatsbetrieb genutzten Schlafräumen untergebracht waren. Die Organisation vor Ort lag in den Händen von David Gyero – Schulleiter, unitarischer Pfarrer und Präsident des ICUU. Er hat mit seinem Team eine hervorragende Veranstaltung auf die Beine gestellt, dafür vielen Dank.

Die ersten drei Tage waren mit einem intensiven Vorlesungsprogramm und Gruppenarbeiten gefüllt. Themen waren zum Beispiel „Techniken der Gemeindeleitung“, „unitarische Geschichte“ (insbesondere in Transilvanien), „unitarische Seelsorge“, und „Feierablauf“.

Veranstaltungssprache war in der Regel Englisch, jeweils nach dem Mittagessen gab es dann zur Vertiefung noch sprachlich sortierte Gruppen, so dass das Gelernte in der Muttersprache nochmals reflektiert werden konnte. Essen konnten wir in der Cafeteria der unitarischen Schule. Nach dem Abendessen war dann nochmals Gelegenheit zum Austausch in Kleingruppen, um die Themen des Tages mit den eigenen Ideen und Erwartungen zu verknüpfen. Anschließend war noch „Social Time in the Terrace“, also gemütliches Beisammensein auf der Terrasse eines kleinen Lokals schräg gegenüber der Schule. Auch eine Stadtführung und eine Besichtigung der unitarischen Kirche – gleich neben der Schule – gehörten zum Programm.


Für den Sonntag hatten unsere unitarischen Gastgeber, deren Muttersprache ungarisch ist, eine ganz tolles Programm zusammengestellt. Ein Ausflug in die Berge und die Teilnahme am Gottesdienst in der unitarischen Kirche des Dorfs Torockó (rumänisch Rimetea), dessen Bewohner zu ca. 95 % der unitarischen Gemeinde angehören. Auch die Bewohner des nächstgelegenen (unitarischen) Dorfes waren zahlreich erschienen. Der Gottesdienst wurde von David Gyero und dem Dekan der Leadership School, Scott Prinster, auf Ungarisch und Englisch gestaltet. Im Anschluss wurden wir wunderbar mit Wein und süßem Hefezopf von den Gemeinden begrüßt. Torockó ist ein Museumsdorf und Weltkulturerbe. Bei der Führung durchs Dorf erfuhren wir viele Einzelheiten zu Geschichte, Kultur und Architektur. Bei einer Wanderung zur Burgruine Coltesti genossen wir die faszinierende Berglandschaft. Ein köstliches Abschiedsessen mit weiteren Spezialitäten rundete den Tag ab.

 


ICUU – International Council of Unitarians and Universalists (2012)

Meine ersten Erfahrungen mit der ICUU bei der europäischen Strategiekonferenz in Kolozsvár/Cluj (Rumänien) vom 31.8.12 bis 4.9.12:

Das Treffen war eine Konferenz der europäischen Mitgliedsgruppen des ICUU, an der also Unitarierinnen und Unitarier aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Österreich, Frankreich, Polen, den Niederlanden, Finnland, Norwegen, Italien, Dänemark, Großbritannien, der European Unitarians and Universalists (EUU) und natürlich aus Deutschland teilnahmen.
Das Ziel war es, mehr Verständnis und dadurch auch mehr Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gruppen zu erreichen. Dies geschah unter der Leitung von Steve Dick (UK) und Jill McAllister (USA), von der ICUU-Geschäftsstelle. Dafür mussten sich zunächst alle teilnehmenden Gruppen vorstellen. Es wurden Aspekte wie die geographische Verteilung der Mitglieder im eigenen Land, die organisatorische Struktur und die Grundsätze (Mission) betrachtet.
Dabei musste sich jedes Land erst einmal selbst vor Augen führen, was die Unitarier dort eigentlich sind, um es dann den anderen Gruppen präsentieren zu können. Danach wurden aus den Stärken und Schwächen der verschiedenen Gruppen Notwendigkeiten für die gesamte europäische Gemeinschaft abgeleitet, diese nach Prioritäten sortiert und dann schließlich mit tatkräftigen Ideen unterlegt. Diese Arbeit mündete in dem Entwerfen von Handlungsplänen für eine gemeinsame europäische Zukunft.

Die Vertreter der einzelnen Länder sagten einander gegenseitige Unterstützung zu, wollen voneinander lernen - und mehr untereinander kommunizieren. Dies beinhaltet auch den Austausch von Dokumenten, Strukturen, Fachkräften, Wissen, Ideen und vielem mehr. Wie sich im Laufe des Prozesses herausstellte, gibt es große Diskrepanzen zwischen den etablierten Gemeinden z.B. in Rumänien oder Großbritannien und den sich gerade erst entwickelnden Gruppen wie in Polen, Österreich und Finnland. Jedes Land hat mit individuellen Problemen zu kämpfen. Deswegen erhoffen wir Teilnehmer dieser Konferenz uns in der Zukunft Unterstützung durch Gleichgesinnte, die sich vielleicht in ähnlichen Situationen befinden oder eine bestimmte Phase der Entwicklung schon hinter sich haben.

Die transsilvanischen Unitarier als unsere Gastgeber möchte ich hier besonders erwähnen. In Rumänien gibt es ungefähr 60 000 Unitarier in mehr als 100 Gemeinden. Sie alle gehören der ungarischen Minderheit in Rumänien an. Vor ein paar Monaten haben sich die ungarischen und die rumänischen Unitarier wieder zu einer gemeinsamen „Hungarian Unitarian Church“ (HUC), also der ungarischen unitarischen Kirche zusammengeschlossen. Obwohl diese Gruppe sich von uns deutschen Unitariern sehr unterscheidet, was Glauben und Religiosität angeht, diese Unitarier sind überwiegend christliche Unitarier, zeichnen sie sich doch durch eine große Toleranz und Offenheit Anderem gegenüber aus. Es gibt dort sogar einen Bischof, der ein sehr netter älterer Herr ist. Gewohnt haben wir in einem unitarischen Internat, das direkt neben der großen Unitarischen Kirche in der Stadtmitte liegt. Die Unterschiede könnten kaum größer sein. Trotzdem werden die Unitarier auch in Rumänien als Minderheit betrachtet, von Calvinisten dort als „unechte Christen“ beschimpft und müssen immer noch gegen die Enteignung ihrer Besitztümer, primär Grundstücke und Gebäude, durch den Staat ankämpfen. Genauso wie alle anderen Nationen haben auch sie die Stütze durch die gesamte europäische unitarische Gemeinschaft nötig.

Meine persönlichen Eindrücke der ganzen Veranstaltung waren im Grunde sehr positiv. Vor allem überrascht hat mich die oben genannte Vielfalt. Der Unterschied zwischen Unity und Diversity beschreibt, denke ich, ganz gut die Situation der europäischen Unitarier. Obwohl ich mit einigem Abstand die jüngste Teilnehmerin war, wurde auch ich mit großem Interesse und großer Freundlichkeit in dieser interkulturellen Runde aufgenommen, oft wurde mir gesagt, wie schön es sei, dass sich auch die jüngere Generation an solchen Treffen beteilige. Vor allem aber habe ich unglaublich viel gelernt. Über Unitarier, Unitarismus, Religionen und Religiosität im Allgemeinen, über Rumänien und über Europa. Auch die Erfahrung eines unitarischen Gottesdienstes werde ich nicht so schnell vergessen.
Am allerwichtigsten sind jedoch die vielen Kontakte aus aller Welt, die ich hier knüpfen konnte, und die sich hoffentlich nicht so schnell verlieren werden. Für die Zukunft Europas hoffe ich auf mehr Zusammenarbeit und größeren gegenseitigen Austausch über eine gemeinsame Website der ICUU, die jetzt im Aufbau ist. Außerdem würde es mich sehr freuen, wenn solche Treffen auch für meine Generation realisiert werden könnten.
Nächstes Jahr soll es einen internationalen Jugendkongress geben, auf den ich schon sehr gespannt bin. Natürlich hoffe ich auch viele der Gesichter bald wiederzusehen, vielleicht 2013 in Hamburg beim Unitariertag oder auf einem anderen internationalen Treffen, wenn ich die Mittel und die Gelegenheit dazu habe.

May the sharing continue!

 

 


ICUU Council Philippinen (2000)

Aus einer Vision wurde Realität

ICUU Council in Dumaguete auf Negros Island / Philippinen

Ereignisreiche Tage gehen zu Ende. Es ist schon ein wahnsinnig gutes Erlebnis. 15 Jahre, nachdem in einem Holzhaus in Essex in der Nähe von Boston ca. 25 Vertreter von unitarischen Gemeinschaften aus aller Welt zusammenkamen, um den Unitarischen Weltbund (ICUU) zu gründen, konnten wir jetzt bei dem ersten Council-Meeting außerhalb Europas und Nordamerikas, eine entscheidende Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft erleben. Wir haben jetzt die Brücke zu den Gemeinschaften betreten, die unitarisch denken und handeln, aber das Wort Unitarier nicht in ihrem Namen tragen. Schon während des ICUU Symposiums im Juli 2010 in Kerkrade / Niederlande und bei den Besuchen in Gemeinden danach, sind wir in näheren, intensiveren Kontakt zu unseren Freisinnigen Freunden in den Niederlanden gekommen, und die Aufnahme der "Vrijzinnige Geloofsgemeenschap NPB" als Vollmitglied in den Unitarischen Weltbund (ICUU) war ein natürliche Konsequenz daraus. Zumal mit der Aufnahme unserer indonesischen Freunde "Jemaat Allah Global Indonesia, oder Indonesia Global Church of God", die mit dem Namen Unitarier regional Probleme hatten, schon ein Anfang gemacht wurde. Wir können uns also auf spannende Vielfalt in unserem unitarischen, freigeistigen, freireligiösen Glaubensbereich freuen und sicherlich auch auf viele Anregungen und Glaubensanstöße für uns selbst. Mit Fulgence Ndagijimana, mit seiner Wahl in das Executive Committee und der Anerkennung seiner Unitarisch Christlichen Gemeinschaft aus Burundi als Vollmitglied, sind auch die Bindungen nach Afrika stärker geworden.
Es ist wirklich viel Bewegung in unserer Unitarischen Weltgemeinschaft und es gibt viele Kontaktmöglichkeiten. Das nächste ICUU Council Treffen wird in New York stattfinden.


Kurzer Reisebericht

Wir haben in Manila uniarische Gemeinden besucht. Gemeinden, die unter ärmlichsten Lebensumständen inmitten von knatternden Rikschas und mit dichtem Überflug von Flugzeugen ihre unitarischen Glaubensüberzeugungen mit viel Fröhlichkeit zelebrieren. Auch auf die Gäste überträgt sich diese Fröhlichkeit und die eigenen Sorgen werden auf einmal sehr klein, wenn man sieht, wie unsere unitarischen Freunde hier ihren Alltag meistern. Es gab viele, viele Kinder und auch die Feierstunde wurde von einem Teenager geleitet. Insgesamt hat Religion einen sehr hohen Stellenwert auf den Philippinen. Aufgrund des spanischen Erbes sind die meisten katholisch. Im Süden, auf der Nachbarinsel zu Negros, der Insel Mindanao, ist der Islam vorherrschend. Die Terrorwarnungen des Auswärtigen Amts sind übrigens nicht ganz unberechtigt. In unserer Zeit wurden zwei Birdwatcher gekidnappt, um den Abzug amerkanischer Militärbasen zu erreichen. Als wir auf Negros Island einflogen, war gerade der Hauptstoß eines Erdbebens vorbei, der vor allem den Nordteil der Insel betroffen hat (Stärke 6,7). In unserem etwa 70 km entfernten Tagungszentrum hatte sich das meiste Personal aus Furcht vor Nachbeben und Tsunami auf die umgebenden Berge zurückgezogen. Aufgrund der zerstörten Stätte im Norden der Insel, musste dann das Besuchsprogramm zu Gemeinden verändert werden. Zerstörte Straßen und Häuser machte einen Besuch und auch die Versorgung der Bevölkerung im Norden einige Tage unmöglich.