Was wir tun
Waldweihnacht Familie Tiede

Wer erinnert sich nicht an die letzten zwei Winter! Schon vor Weihnachten schneite es, und es war so kalt, dass der Schnee liegen blieb. Ich mag die Winter, in denen das Wetter so ist, wie ich es mir wünsche. So mache ich mich am vierten Adventssonntag von Hamburg auf nach Lübeck, wo die Unitariergemeinde jedes Jahr an einem besonderen Ort Weihnachten feiert, nämlich draußen im dunklen Walde: Ich fahre zur Waldweihnacht. Die Autobahn ist gut geräumt, doch je näher ich dem Ziele komme, desto weißer wird die Straße. Die Bäume sind überzuckert mit einer Schicht Raureif und glitzern im späten Licht. Wundersam ist im schwindenden Tageslicht die Verwandlung der Natur anzusehen: Der Himmel färbt sich rot und der Schnee reflektiert dieses faszinierende Licht. Im Strahl der Autoscheinwerfer werden die letzten Kilometer zum Wintertraum; denn die kleine Straße durch den Wald ist nicht geräumt. Als ich um die letzte Kurve fahre, sehe ich schon viele unitarische Freunde an der Kreuzung stehen. Dick eingemummelt sind sie, einer probiert seine Taschenlampe aus, andere sind in ein Gespräch vertieft. Ich stelle mich dazu und kann es kaum erwarten loszugehen. Und endlich setzt sich die Gruppe langsam in Bewegung hinein in den Wald. Die Gespräche verstummen nach und nach, das Knirschen des Schnees unter den Füßen ist das einzige Geräusch, das noch zu hören ist. An den Weggabelungen leuchten warm Laternen, die uns den Weg weisen. Dann sehe ich viele Lichter durch die Bäume schimmern, die mit jedem Schritt größer werden. Sie sitzen auf einem kleinen Tannenbaum, der mitten im Wald steht und dort mit seinem Kerzenschein um sich herum einen lichterfüllten Raum schafft. In dieses Weihnachtszimmer treten wir hinein, bleiben auf dem Weg stehen und schauen in die ruhig brennenden Kerzen. Kein Lüftchen weht und lässt sie flackern wie im vorigen Jahr. Nun beginnt die Feierstunde. Mike Möllers begrüßt uns, und wir stimmen ein Lied an. Mitten in das nächste Lied mischt sich ein anderes Geräusch. Schtscht, schtscht. Zwei Skiläufer kommen den Weg entlang, angelockt von dem hellen Schein, den sie hier nicht erwartet haben. Sie bleiben stehen und bestaunen den Baum. Während die Feierstunde mit Liedern, Gedichten und einer Ansprache unsere Ohren erreicht, blicken unsere Augen in die Kerzen, und unsere Herzen sind offen. Nach dem Schlusslied geht einer nach dem anderen ins Dunkel, ich aber bleibe noch stehen. Ich möchte noch ein wenig genießen, was mich berührt, den geschmückten Baum im Wald, die Stille, die eingekehrt ist und den verschneiten Wald. Einen Augenblick bin ich eins mit ihnen. Auf dem Rückweg biegen wir ab und sind in wenigen Minuten im Restaurant angekommen. Wir sitzen alle um einen großen Tisch herum, wärmen unsere Hände und Füße wieder auf und unterhalten uns bei einem leckeren Essen. Nachts auf dem Weg zu meinem Auto gehe ich noch einmal am Baum vorbei. Nur ein paar Fußspuren deuten darauf hin, dass wir uns vorhin von ihm verzaubern ließen. Eigentlich warte ich schon auf das nächste Jahr.