„Zugleich nehme ich mir die Freiheit, den Begriff Glauben aus unitarischer Sicht zu deuten und zu verwenden. Schon allein, weil es in der deutschen Sprache kaum ein zweites Wort gibt, mit dem die Dimension des Glaubens erfasst werden kann. In jedem Fall geht es nicht um ein argumentativ herzuleitendes Gedankengebäude. Unitarischer Glaube ist ebenso wie christlicher Glaube keine Schlussfolgerung. Religiöser Glaube ist für mich vielmehr eine innere Gewissheit. Ich habe sie nicht hergeleitet und rational erkannt, ich erlebe sie! Was ist der Kern dieses Erlebens? In unseren Grundgedanken, Über unitarischen Glauben, fühle ich dieses Erleben angesprochen:  „... eingebunden in einen allumfassenden Zusammenhang … erleben (wir) uns als Teil dieses Zusammenhangs der uns trägt.“ Wenn ich am Ufer des stillen Sees im letzten leuchtenden Abendrot die Sterne aufgehen sehe, sehe wie sie funkeln, dann spüre ich: Ich bin Teil dieser vielfältigen Welt, habe das Leben geschenkt bekommen (woher auch immer) – und dass ich hier bin, das ist gut so. Wenn ich in einer Gruppe Neues ausprobiere und Offenheit, vielleicht sogar Begeisterung auf allen Seiten der Raum erfüllt, dann fühle ich ein Glück in mir und werde getragen von der Verbundenheit. Wenn ich von Musik ergriffen bin, mir Schauer über den Rücken laufen, dann erlebe ich Freude und Dankbarkeit, dies empfinden zu dürfen – und sehe wie viele Menschen um mich herum ebenso von der Musik berührt werden. Zusammenhänge die mich tragen – auch in einer widersprüchlichen, ungerechten Welt – und auch mit eigenen Widersprüchlichkeiten und Schwächen.“

Aus dem Artikel von Gerhard P. "Was mich trägt"  (Unitarische Blätter 05/2016-S.179)