„Unitarisches Denken bedeutet für mich Denken in Zusammenhängen. Dabei ist für mich die Vorstellung einer Einheit, Ganzheit oder All-Verbundenheit alles Seienden zentral. Von ihr lässt sich ableiten, in welchem Verhältnis ich zu mir und zur Welt stehe.
Wenn mich zum Beispiel jemand fragt, ob ich bete oder wie ich mit „Gott“ in Verbindung trete, dann erkläre ich, dass ich kein göttliches Gegenüber kenne, sondern mich als Teil einer Ganzheit verstehe, die von einer Lebensenergie oder schöpferischen Kraft durchzogen ist. Ein religiöses Erlebnis bedeutet für mich eine Entgrenzungserfahrung, in der ich mich eins fühle mit der Welt, das Gefühl habe, mich aufzulösen, zu schweben, ein zu gehen in etwas Größeres. Es ist ein Moment des Aufgehobenseins, tiefer Geborgenheit, das Gefühl, existentiell zu Hause zu sein und ich spüre, um Eberhard Achterberg zu zitieren, „die Kraft, die uns trägt“.
Werde ich gefragt, welche Rolle die Natur für mich als Unitarierin spielt, antworte ich: ich bin mit der mich umgebenden Natur verbunden; diese Verbundenheit bedeutet für mich Abhängigkeit und Verantwortung. Es liegt in meinem Interesse und auch mit in meiner Hand, sie zu erhalten und zu schützen, damit ich nicht meine Lebensgrundlage und die meiner Mitwelt verliere bzw. zerstöre. Umweltschutz ist für mich daher ein Anliegen, das nicht nur politisch, sondern auch religiös motiviert ist.“

Aus einem Artikel von Inga S., "Meine unitarische Identität", (Unitarische Blätter 03/2017-S.108)