„Religiosität vor allem das menschliche Vermögen meint, die übliche bzw. normale Alltagswahrnehmung zu überschreiten (zu transzendieren). In diesem besonderen Bewusstseinszustand, verbunden mit einer ebenso besonderen Erlebnisqualität nehme ich die Welt um mich herum und / oder in mir gleichsam tiefer oder klarer oder umfassender, auf jeden Fall anders wahr als sonst. Je nach persönlichen Umständen kann dies ein Grundgefühl von Geborgenheit in der Welt bzw. Getragensein in mir bewirken, aber auch ein Grundgefühl von  Geworfensein und Bodenlosigkeit auslösen. In jedem Fall wird es als etwas Intensives und nicht selbe Erschütterndes erlebt. Religion die Antwort Einzelner oder Gruppen auf die sogenannten letzten Fragen ist und wesentlich geleitet wird aus dem Bedürfnis nach Gewissheit und Sinn in dieser Welt. Dabei können religiöse Erlebnisse (wie oben beschrieben) ebenso zu Fragen wie auch zu Antworten führen. Denn ja nach persönlichen und kulturellen Umständen kann ein religiöses Erlebnis ganz unterschiedlich gedeutet werden. Vor allem aber glaube ich, dass es ganz schwierig – wenn nicht sogar unmöglich – ist zu formulieren, was man glaubt, jedenfalls wenn man darunter die grundlegenden (religiösen) Überzeugungen versteht, die einen im Leben leiten. Ist man sich ihrer überhaupt bewusst? Sicher nur zum Teil. Und selbst diesen Teil erfasst man doch nur ansatzweise und auch als veränderlich, insofern wird der Versuch einer Klärung immer unvollkommen bleiben. Aber wofür gilt das nicht?“

Aus einem Artikel von Dorothea K., "Mein unitarischer Glaube" (Unitarische Blätter 06/2015-S.267)