Fragen & Antworten

FRAGE:

Die Unitarier bezeichnen sich als dogmenfreie Religion. Könnte man aber das Gottesbild, das Mensch-Natur-Gott eine Einheit bilden, nicht auch als ein Dogma ansehen? Gibt es auch Raum für andere Gottesbilder/Sichtweisen im Unitarismus?

Anwort des Geistigen Rates:

 

  1. Könnte man aber das Gottesbild, das Mensch-Natur-Gott eine Einheit bilden, nicht auch als ein Dogma ansehen?

    Nein! Unter einem Dogma versteht man eine grundlegende (Lehr-)Meinung, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt, wobei man sich in der Regel auf göttliche Offenbarung beruft. Solche Absolutheitsansprüche lehnen Unitarier prinzipiell für sich ab. Selbstverständlich gibt es unter Unitariern Übereinstimmungen in religiösen Fragen, aber wir erheben nicht den Anspruch, dass diese Auffassungen allein wahr, allgemeingültig, verbindlich oder für alle Zeit gültig seien. Das findet sich ausformuliert auch in unseren Grundgedanken (die Sie hier links finden), wobei ich besonders auf zwei Stellen hinweisen möchte: In unserer „Präambel“ heißt es u.a.: „ … Die Deutschen Unitarier stehen in einer Jahrhunderte alten Tradition freier Religion und Weltanschauung und sind verbunden mit geistesverwandten Bestrebungen in aller Welt. Sie sind sich der Schwierigkeit bewusst, religiöse Vorstellungen in Worten auszudrücken. Bei Wahrung der Freiheit ihrer persönlichen Auffassungen haben sie sich auf folgende Grundgedanken geeinigt:“ Und unter dem Absatz „Über Religion“ wird gesagt: „… Keine Religion kann beanspruchen, über absolut gültige Wahrheiten zu verfügen, denn ihr Ursprung liegt im Menschen. Glaubens- und Gewissenszwang sind nicht zu rechtfertigen.“

  2. Gibt es auch Raum für andere Gottesbilder/Sichtweisen im Unitarismus?

    Ja! Ich möchte noch einmal aus unseren „Grundgedanken“ zitieren. Dort taucht der Begriff „Gott“ überhaupt nur einmal auf und da auch nicht als Substantiv, sondern als Adjektiv „göttlich“: Unter dem Absatz „Über unitarischen Glauben“ heißt es: „In uns und um uns erfahren wir die gleichen schöpferischen Kräfte, die viele als göttlich erleben.“ Diese zurückhaltende Verwendung des Gottesbegriffes ist bewusst so gewählt. Mit der Substantivform „Gott“ verbindet sich i.a. schnell eine persönliche Gottesvorstellung, die Unitarier i.d.R. nicht haben. Den Begriff „göttlich“ wird jedoch in der genannten Weise von vielen Unitariern verwendet. Aber auch hier steht ganz bewusst „viele“ und nicht „alle“ Unitarier. Es gibt durchaus Unitarier, die den Gottesbegriff für sich gar nicht verwenden, also eine Art von religiösem Atheismus vertreten. Das heißt: Es gibt bei uns Unitariern eine ganze Spanne von Gottesbildern.