Noch eine Sonnwendfeier in diesem Jahr!

Nein-nein! Wir sind keine Sonnenanbeter. Natürlich nicht.  Aber wenn wir überhaupt etwas anbeten wollten --  also durch devotes Verhalten Ehrerbietung, Dankbarkeit und Bitte um Wunscherfüllung ausdrücken, dann käme die Sonne wohl in Frage.

Denn ohne sie gäbe es auf der Erde das Leben nicht  --  ohne Götter schon!  Das wusste bereits EchnAton. Er schob die Götter zur Seite und ersetzte sie durch die Sonne und sich selbst. Das war ein mutiger Schritt in eine neue Richtung, aber es war zu früh.  Nach seinem Tod atmete die Gesellschaft auf, die aristokratische jedenfalls  --  endlich konnte man wieder eine ordentliche Struktur herstellen, mit Göttern, Mittlern und dienendem Volk. Wobei es den Mittlern gut ging und dem Volk vermittelt wurde, dass es ihm gut ging. Damit war alles wieder im Lot für die nächsten Jahrtausende.

Im Laufe der Zeit gab es weitere Versuche, die Göttervielfalt auf einen einzigen Geist zu konzentrieren, doch solche Aufrührer wurden Verräter genannt, was immer zum Tode führte. Bewährt hat sich dabei, deren Ideen formal aufzugreifen und sie durch „richtige“ Interpretation ins Gegenteil zu verkehren.  Dennoch:  „Alles fließt“, wussten schon die Alten Griechen, und so zersetzte sich das System in tausend Jahren, Aufklärer kamen aus den eigenen Reihen und gingen schließlich daran, Religion ins Private abzuschieben.

Doch die EchnAton-Erben lassen grüßen: Es gelang zwar im rein Formalen und steht immerhin schon im Grundgesetz, Kirche und Staat zu trennen, aber es wird wohl noch dauern, bis genügend Menschen nicht mehr ihre Kinder an eine emotional ergreifende, von Religions-Aristokraten erdachte Illusion für ihr Leben binden, sondern sie stattdessen verantwortungsbewusst mit menschenwürdiger Haltung und mit eigenem Verantwortungsbewusstsein für Menschenwürde ausstatten werden. Einer Religionsform, die wir für zukunftsfähig halten!

Die Sonne ist kein Gott, sie ist eine Sache, aber ihre Energie ist für uns wesentlich!

Deswegen freuen wir uns über (feiern wir) den höchsten Stand der Sonne im Sommer und den tiefsten in der Zeit jener Nächte, die der frohen Erwartung des wiederkehrenden Lichts und der Vorbereitung der Natur auf die nächste Blütezeit geweiht sind, der dunklen Weihe-Nächte, die mit Kerzen erhellt werden.  Immer schon. Das war den Leuten in tausend Jahren nicht auszutreiben.

Diese Nächte sind der eindrucksvollste und damit für eine Religion besonders werbeträchtige Termin im Jahresverlauf!

Die Götterverehrer haben sie deshalb zu ihrem eigenen wichtigsten Termin gemacht und sie in ihrem Sinne umgestrickt zum Geburtsfest, das in romanischen Ländern auch einfach nur „Geburt“ heißt (noel, natale) und es mit allerlei Merkwürdigem beladen.

Wir haben nichts dagegen.  Es ist doch schön, wenn man so etwas gemeinsam machen kann  --  jeder nach seiner eigenen Auffassung, sich selber treu bleibend.

So begehen wir in Lübeck die Winter-Sonnenwende als Wald-Weihnacht. Mit echten Kerzen an einem mannshohen Tannenbaum mitten im Wald.  Mit Ansprache, Gedichten, Liedersingen. Bisschen kitschig?  Mag sein, aber im Vergleich wohl doch eher moderat! Nicht der Kopf braucht die Feier, sondern das Herz. Und das ist dann gefüllt bis zum Rand! Deshalb hatten wir auch diesmal wieder Teilnehmer aus den Nachbar-Gemeinden. Leider fehlte der Schnee. Na, vielleicht nächstes Mal!

Michael Möllers

Sonnwendfeier im Norden

Die Lübecker Gemeinde hat wieder einmal die Sonnenwende gefeiert, wieder einmal auf dem Pariner Berg. Die Veranstaltung war, trotz Konkurrenz mit dem Viertelfinale der Fußball-EM gut besucht, ca. 40 Unitarier & Gäste sowie die Ostseevolkstanzgruppe und ein Reporter der LN waren dabei. Insgesamt ca 70 Personen.
Die Ostseevolkstanzgruppe Lübeck hat einige Tänze vorgetanzt und hat dann gezeigt, warum es „Volkstanz“ heißt: Sie haben das umstehende Volk einfach dazu geholt und mit Allen zusammen einige Tänze unter Anleitung getanzt. Mir hat das riesig Spaß gemacht.
Mit einem Fackelzug sind wir dann zum Feuerplatz an der Bismarcksäule gezogen, auf dem der Stoß aufgebaut und die Technik angeschlossen war. Nach Spruch und gemeinsamen Lied lauschten wir gebannt der Rede zur Sonnenwende, während das Feuer loderte. Die Rede zur Sonnwendfeier wird in den unitarischen Blättern veöffentlicht. Mit einigen Liedern unter fachfrauischer Anleitung und Klönschnack und Stockbrot (danke, es war wieder lecker) klang der Abend langsam aus.
Hauke Möllers